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Tuesday, 6. November 2007

Wie Senioren und kranke Menschen dank ambienter Technologien länger zuhause leben können

Wenn ältere Menschen ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen möchten, benötigen sie meist Hilfe. Zum Beispiel bei der Einnahme von Medikamenten, der Kontrolle der Herzfunktionen oder auch im Notfall, etwa nach einem Sturz. Dabei können heute digitale Technologien helfen, die weitgehend unsichtbar für die Betroffenen in die häusliche Umgebung eingebaut werden. Welche Forschungsfragen dafür noch gelöst werden müssen, diskutieren internationale Wissenschaftler aus der Informatik, Softwaretechnik, Künstlichen Intelligenz und Medizin auf einer Tagung vom 14. bis 17. November im Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik (IBFI), Schloss Dagstuhl im nördlichen Saarland.

 

Die demographische Entwicklung in den Industrienationen wird das Problem noch verschärfen: Immer mehr Senioren sind mit steigendem Alter auf Hilfe von außen angewiesen und können im Pflegefall häufig nicht mehr zuhause behandelt werden. Die enormen volkswirtschaftlichen Kosten, die dadurch entstehen, könnten gesenkt werden, wenn sich mehr Senioren mit digitaler Unterstützung zuhause selbst versorgen könnten. Dies würde auch die Lebensqualität für viele ältere und kranke Menschen steigern. Neben reinen Notfallsystemen müssen dafür jedoch noch Systeme entwickelt werden, mit denen man Patienten zuhause überwachen kann und ihnen hilft, Gefahren zu vermeiden. Dazu zählen zum Beispiel Geräte, die kontrollieren, ob jemand genug trinkt, seine Medikamente regelmäßig einnimmt oder den Herd ausgestellt hat. Außerdem werden Systeme getestet, bei denen im Notfall Kameras und Mikrofone eingeschaltet werden, über die Angehörige oder Ärzte direkt mit dem Betroffenen in der Wohnung kommunizieren können.

 

Forschung und Industrie stellt dies vor neue Herausforderungen, denn die Technologien für die häusliche Umgebung (Ambient Intelligence) dürfen den Betroffenen keine besonderen Kenntnisse abverlangen. Sie sollten möglichst unsichtbar im Hintergrund funktionieren, ohne weitere Pflege oder Wartung durch den Benutzer. Falls doch mal einzelne Komponenten im System gestört sind, etwa durch Batterieausfall, muss dies vom System selbst erkannt und überbrückt werden. Die eingesetzten Geräte sollten außerdem auf möglichst natürliche Weise mit dem Menschen kommunizieren, am besten über Sprache, Gestik oder einfachen Knopfdruck. Zugleich müssen die Technologien miteinander vernetzt sein und „intelligent“ auf verschiedene Situationen reagieren. Wenn etwa eine Überwachungskamera oder ein Sensor am Körper des Patienten wahrnimmt, dass der Patient gestürzt ist oder zulange bewegungslos im Bett liegt, muss sofort der Notruf ausgelöst werden. Auch sollten die Geräte Gefühlsregungen des Menschen erkennen können, etwa über eine drahtlose Pulsmessung oder die Beobachtung der Mimik des Patienten.

 

Für die Entwicklung solcher Systeme müssen ganz verschiedene Forschungsgebiete zusammenarbeiten, etwa die Bildverarbeitung, Sensorik, Softwaretechnik, Sprachtechnologie, Robotik und Medizin. Außerdem gilt es auch, die rechtlichen und ethischen Fragen der Technologien zu beleuchten. Daher haben die Organisatoren der Tagung „Assisted Living Systems“ im Informatikzentrum Schloss Dagstuhl internationale Wissenschaftler aus ganz verschiedenen Bereichen eingeladen. Organisiert wurde die Tagung von den Professoren Arthur I. Karshmer von der University of San Francisco (USA), Jürgen Nehmer von der TU Kaiserslautern und Gerhard Tröster von der ETH Zürich (Schweiz) sowie von Hartmut Raffler, Leiter der Forschung für Informations- und Kommunikationstechnologie bei Siemens in München. Die Tagungsteilnehmer reisen aus verschiedenen europäischen Ländern, den USA, Taiwan und Australien ins nördliche Saarland.

 

Nähere Informationen zu dem Dagstuhl-Seminar "Assisted Living Systems" und den Teilnehmern unter http://www.dagstuhl.de/07462