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Wednesday, 20. June 2007

Wie kann man knappe Ressourcen und Kosten gerecht teilen?

Wer Eintrittskarten für eine große Sportveranstaltung verkaufen oder Umweltschutzprojekte finanzieren will, steht vor demselben Problem: Wie kann man knappe Ressourcen und Kosten gerecht teilen? Nach Lösungen suchen internationale Wissenschaftler auf einer Tagung zum Thema „Fair Division“ vom 24. bis 29. Juni im Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik, Schloss Dagstuhl. Die Teilnehmer vertreten ganz verschieden Fachgebiete, so dass Fragen aus der Wirtschaft, Politik, Mathematik und Informatik diskutiert werden.

 

Wer einen Kuchen unter seinen Gäste gerecht aufteilen will, kennt die Regel: Derjenige, der mit dem Messer den Kuchen aufschneidet, darf zuletzt ein Stück nehmen. Dies erhöht die Chance, dass alle Kuchenstücke die gleiche Größe haben. Diese Methode (Cut and Choose) lässt sich auch auf ganz andere Gebiete anwenden. Sie liegt beispielsweise der Seerechtskonvention der Vereinten Nationen von 1982 zugrunde, die 159 Länder unterzeichneten, um Gebietsansprüche auf den Meeren zu regeln. Schwierig werden solche Regeln jedoch, wenn es nicht um Güter oder Kosten geht, sondern um Ressourcen, die man nicht teilen kann. Zum Beispiel, wenn drei Ärzte sich gleichzeitig um fünf Schwerverletzte kümmern sollen. Dann kommt die Fairness ins Spiel, also die Frage, wie eine gerechte Lösung aussehen kann und wie man diese so formalisieren kann, dass sie immer angewendet wird und zu guten Ergebnissen führt.

Der Begriff der Fairness wird in den einzelnen Forschungsgebieten aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, so dass sich die Wissenschaftler in Schloss Dagstuhl durch ihre interdisziplinäre Zusammenarbeit neue Erkenntnisse erhoffen. Für Informatiker bedeutet Fairness vor allem, dass jeder mal dran kommen soll und niemand dauerhaft vernachlässigt wird. So werden etwa in einem Computer die Ressourcen den Prozessen gerecht zugeteilt oder in Netzwerken erhält jeder Teilnehmer einen gleichberechtigten und gleichmäßigen Zugriff auf das System. Mathematiker beschäftigen sich mit der Frage, wie man die faire Aufteilung messen kann, je nachdem, ob es sich um teilbare oder auch unteilbare Güter handelt. Für Wirtschaftswissenschaftler stellt sich die Frage, wie sie Fairness in volkswirtschaftliche Systeme einbetten können, ohne dann an zu komplexen Strukturen zu scheitern.

Die Tagung auf Schloss Dagstuhl wurde von Prof. Dr. Steven Brams von der New Yourk University (USA), Prof. Dr. Kirk Pruhs von der University of Pittsburgh (USA) und Prof. Dr. Gerhard Woeginger von der TU Eindhoven (Niederlande) organisiert. Von deutscher Seite nehmen unter anderem die Professoren Sándor P. Fekete von der TU Braunschweig (Informatik), Sven Krumke von der TU Kaiserlautern (Mathematik), Stefan Pickl von der Universität der Bundeswehr in München (Wirtschaftsinformatik) Matthias Raith von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (Wirtschaftswissenschaften) und Martin Skutella (Mathematik) von der Universität Dortmund teil. Außerdem diskutieren Wissenschaftler aus Israel, Kanada und verschiedenen europäischen Ländern sowie Vertreter der Industrie (Microsoft, IBM) mit.

 
Nähere Informationen zum Seminar Fair Divisionund den Teilnehmern  unter www.dagstuhl.de/07261