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Wednesday, 20. June 2007

Wie das Internet die Handelsbeziehungen verändert

Die Suchmaschinen im Internet haben heute großen Einfluss darauf, welche Unternehmen zuerst von Kunden wahrgenommen werden. Auch Internet-Auktionen oder Tauschbörsen verändern die Spielregeln des traditionellen Handels. Die Gestaltung der Software dieser Internetdienste hat dabei einen wesentlichen Einfluss auf den Handlungsspielraum, und damit den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg ihrer kommerziellen und privaten Nutzer. Wie sich das Design von Internetsystemen auf die Beziehungen in Wirtschaft und Gesellschaft auswirkt und wie man mit geeigneten Mechanismen diese Beziehungen gestalten kann, diskutieren Wissenschaftler aus den USA, Israel und Europa auf einer Tagung vom 1. bis 6. Juli im Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik, Schloss Dagstuhl. Die Teilnehmer forschen unter anderem auf dem Gebiet der theoretischen Informatik, Künstlichen Intelligenz, Wirtschaftstheorie und Verhaltensökonomik.

 

Wenn ein Unternehmen in Google eine Anzeige schalten will, muss es den Werbeplatz wie in einer Auktion ersteigern. Es kann aber auch versuchen, über bestimmte Tricks als erster Treffer in der Liste der Links zu erscheinen. Dafür muss eine Firma aber wissen, wie die Spielregeln in der Suchmaschine funktionieren. Ähnlich ist es bei den Bewertungssystemen, mit denen beispielsweise bei Ebay die Verkäufer benotet werden oder bei Amazon der Kunde auf ähnliche Produkte hingewiesen wird. Sie beeinflussen mittlerweile stark das Kaufverhalten und die Beziehungen zwischen Unternehmen und Kunden. Die neuen Spielregeln im Internet wirken sich aber auch auf nicht-kommerzielle Systeme aus: In Tauschbörsen werden Filme und Fotos zwischen Privatpersonen herumgereicht, in so genannten Dating Services vernetzen sich Menschen mit ähnlichen Interessen. All diesen Diensten liegt Software zu Grunde, die letztendlich die Spielregeln der ökonomischen und sozialen Interaktion bestimmt. Wie diese entworfen wird und wie man sie verbessern kann, untersuchen die Wissenschaftler auf ihrer Tagung in Schloss Dagstuhl.

 

Die Informatiker und Ökonomen aus aller Welt, die seit 2000 bereits zum vierten Mal zu diesem Thema in Schloss Dagstuhl zusammen kommen, erhoffen sich neue Erkenntnisse durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit. So helfen Modelle, die Informatiker in der Komplexitätstheorie entwickelt haben, dem Wirtschaftswissenschaftler dabei, umfangreiche Systeme besser zu vergleichen und zu analysieren. Mit Hilfe der Spieltheorie der Mathematiker können die Informatiker und Ökonomen untersuchen, wie sich die einzelnen „Spieler“ – etwa die Kunden bei Ebay – verhalten, wenn bestimmte Regeln verändert werden. Mit Hilfe der experimentellen Wirtschaftsforschung lässt sich untersuchen, wie risikofreudig die Menschen sind und inwiefern sie von purer Profitmaximierung abweichen.Die Tagung auf Schloss Dagstuhl zum Thema „Computational Social Systems and the Internet“ wurde von den Professoren Peter Cramton von der University of Maryland (USA), Rudolf Müller von der Maastricht University (Niederlande), Eva Tardos von der Cornell University (USA) und Moshe Tennenholtz vom Technion in Haifa (Israel) organisiert. Von deutschen Universitäten nehmen unter anderem die Professoren Burkhard Monien von der Universität Paderborn (Informatik) und Benny Moldovanu von der Universität Bonn und Elmar Wolfstetter von der Humboldt Universität zu Berlin (Wirtschaftswissenschaften) teil. Außerdem diskutieren Wissenschaftler vor allem aus den USA und Israel sowie Vertreter der Industrie (Microsoft, Yahoo) mit.

 
Nähere Informationen zum Seminar Computational Social Systems and the Internetund den Teilnehmern  unter www.dagstuhl.de/07271