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Wednesday, 18. October 2006

Auf Sieg programmiert

Kollege PC soll das Leichtathletik-Training verbessern – Tagung in Schloss Dagstuhl

Die Sportinformatik ist eine junge Wissenschaft. Sie unterstützt die Athleten bei der Jagd nach den entscheidenden Zentimetern und Sekundenbruchteilen, die heute über den Erfolg entscheiden.

- Von SZ-Mitarbeiter JOHANNES KLOTH -

Wadern. Höher, schneller, weiter – so lautet die Devise bei sportlichen Wettkämpfen. Heute, im Zeitalter des Hochleistungssports, ist jedoch das allgemeine Leistungsniveau der Profi-Athleten so extrem angestiegen, dass dabei oft Millisekunden über Sieg und Niederlage entscheiden. Neue, computerbasierte Trainingshilfen erlauben es Sportlern mittlerweile, persönliche Schwächen gezielt wegzutrainieren.

Die wissenschaftliche Grundlage für die Idee des „idealen Trainings“ liefert die junge Disziplin Sportinformatik. Bei einem Experten-Treffen im Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik in Schloss Dagstuhl diskutierten Wissenschaftler über neue Forschungsansätze.

Sport und Informatik liegen wissenschaftlich nicht so weit auseinander, wie es zunächst erscheint, so Professor Jürgen Perl, Informatiker der Uni Mainz: „Im Sport gibt es große Mengen an Daten. Und die Informatik bietet dafür die Datenverarbeitung, von der ausgehend dann zum Beispiel Simulationen entwickelt werden können.“ Von Multimedia-Anwendungen bis zu Datenbanken – die Verarbeitungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Forschungsansätze der Teilnehmer des Dagstuhl-Seminars. Im Mittelpunkt ein Schlagwort aus der Künstlichen Intelligenzforschung: „Ambient Intelligence“ (etwa „Umgebungsintelligenz“). Sensoren, Funkantennen und Prozessoren sollen so vernetzt werden, dass eine „intelligente Umgebung“ entsteht. Bekanntestes Beispiel dafür ist das „intelligente Haus“, dessen Einrichtungen wie Heizung, Kühlschrank oder Rollläden computergesteuert auf die Wünsche des Bewohners reagieren.

Die Sportinformatik hat dieses Prinzip auf ihre besonderen Bedürfnisse angepasst. „Neu ist, dass die Sensoren mittlerweile so klein sind, dass sie praktisch unbemerkt in Trainingsgeräte eingebaut werden können“, sagt Professor Josef Wiemeyer, Leiter des Bereichs Bewegungs- und Trainingswissenschaften der TU Darmstadt. Der Trainingsablauf könne so überall unter Echt-Bedingungen und ohne große Verkabelungen durchgeführt werden, während gleichzeitig alle erdenklichen biologischen Messwerte der Athleten aufgezeichnet werden. „Das revolutioniert natürlich die bisherigen Trainingsprozesse“, so Wiemeyer.

Genutzt werden die Daten zum Beispiel zur Entwicklung so genannter Biofeedback-Systeme, wie sie der Leiter des Zentrums für Sportwissenschaft und Universitätssport an der Uni Wien, Professor Arnold Baca, derzeit entwickelt. Die Anwendungen bündeln elektronisch aufgezeichnete Parameter wie Hautwiderstand, Atemfrequenz und Muskelspannung. Damit könne ein Radsportler beim Training auf der Straße seine Herzfrequenz im Auge behalten. Nach diesem Prinzip lassen sich in vielen Sportarten maßgeschneiderte Trainingsprogramme entwickeln.

Vorgestellt wurden in Dagstuhl Biofeedback-Systeme zur Optimierung der Schlagfolgen und Spieltaktiken von Tischtennisspielern und Trainings-Programme für Ruderer. „Derzeit arbeiten wir an entsprechenden Systemen für die so genannten technisch-koordinativen Sportarten wie Eiskunstlauf“, so Arnold Baca.

„Die Sensoren sind so klein, dass sie in Trainingsgeräte eingebaut werden können.“ Professor Josef Wiemeyer, TU Darmstadt