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Montag, 27. August 2007

Können Computer ihre Meinung ändern?

Wenn neue Information die bisherigen Meinungen in Frage stellt, können Menschen schnell umdenken und anscheinend mühelos Widersprüche auflösen. Einem Computer muss extra einprogrammiert werden, wie genau dies zu geschehen hat. Informatiker und Ökonomen arbeiten daher mit Philosophen zusammen, um den Mechanismen auf die Spur zu kommen, die bei der Änderung von Überzeugungen (Belief Change) eine Rolle spielen. Internationale Wissenschaftler aus diesen Fachgebieten, die aus Europa, den USA und Kanada, Israel, Thailand und Australien anreisen, treffen sich zu einer Tagung vom 26. bis 30. August im Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik, Schloss Dagstuhl. Ihre Ergebnisse werden sich auf ganz verschiedene Forschungsgebiete wie der Künstlichen Intelligenz, Robotik, dem Wissensmanagement, Datenbanken und der Ökonomie auswirken.

 

Bei den elektronischen Wahlen spielen nicht nur technische, sondern auch politische und gesellschaftliche Aspekte eine wichtige Rolle. So hat die Art der Stimmabgabe auch einen Einfluss auf das Wahlverhalten und die Wahlbeteiligung. Der Wähler wiederum hat ein Interesse an der einfachen Bedienung von Wahlcomputern, will aber auch in seiner Privatsphäre geschützt werden und sicher sein, dass seine Wahl korrekt erfasst und gezählt wird. Doch diese Vorgaben werfen viele Fragen auf: Welche Wahlcomputer werden zugelassen, wie werden sie getestet? Wer stellt sicher, dass die geprüfte und zertifizierte Software auch in jedem Wahllokal auf einem Computer verfügbar ist? Wer überwacht, dass keiner an den Wahlcomputern herumschrauben kann, während sie zwischen verschiedenen Wahlen gelagert werden? Die Tagung auf Schloss Dagstuhl bringt Forscher und Praktiker zusammen, um den Stand der Technik zu analysieren und Erfahrungen im Umgang mit elektronischen Wahlsystemen auszutauschen.

Die klassische Logik kennt unter anderem die Regel, dass aus einem Widerspruch Beliebiges folgt (Ex falso quodlibet). Mit dieser Vorgabe würden aber zum Beispiel Roboter schnell an ihre Grenzen stoßen. Man denke sich als Szenario einen Roboter, der eigenständig den Mars erkunden soll und mit einer Wissensbasis versorgt ist, wonach dort nur Steine und Geröll vorkommen. Was würde passieren, wenn er plötzlich auf ein Gewässer träfe und auf dem Mars mit flüssigem Untergrund nichts anzufangen wüsste? Statt hilflos stehen zu bleiben, muss er Schritt für Schritt analysieren, wie er aus dieser für unmöglich gehaltenen Lage wieder herauskommt. Es darf nicht Beliebiges passieren, sondern verschiedene Lösungswege müssen auf ihre Plausibilität hin überprüft werden. Damit nicht nur Menschen, sondern auch Computer fähig sind, so komplexe Entscheidungen zu treffen, müssen diese mit Mechanismen ausgestattet werden, wie sie alte Theorien auf rationale Weise revidieren oder über Bord werfen können. Man kann etwa mit einer Kombination von klassischer Logik und der aus der Ökonomie stammenden Theorie der rationalen Wahl versuchen, Normen zu finden, mit denen die Änderung von Meinungen konstruktiv bewältigt werden kann.

Die Informatiker, Philosophen und Ökonomen aus aller Welt, die sich vor zwei Jahren schon einmal zu diesem Thema in Schloss Dagstuhl getroffen haben, erhoffen sich neue Erkenntnisse durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die Tagung auf Schloss Dagstuhl zum Thema „Formal Models of Belief Change in Rational Agents“ wurde von den Professoren Giacomo Bonanno der University of California in Davis (USA), James Delgrande von der Simon Fraser University (Kanada), Jérôme Lang  vom IRIT – Toulouse (Frankreich) und Hans Rott von der Universität Regensburg organisiert.  Außerdem nehmen unter anderem folgende international bekannte Wissenschaftler an der Tagung teil: Der Informatiker Dov Gabbay vom King's College in London (Großbritannien), der Philosoph Isaac Levi von der Columbia University in New York (USA), die beiden Logiker David Makinson von der London School of Economics (Großbritannien) und Krister Segerberg von der Uppsala University (Schweden) sowie der Philosoph Wolfgang Spohn von der Universität Konstanz.

 

Nähere Informationen zu dem Dagstuhl-Seminar "Formal Models of Belief Change in Rational Agents" und den Teilnehmern unter http://www.dagstuhl.de/07351