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Monday, 15. September 2003

Informatik-Forschung von internationalem Rang in Schloss Dagstuhl

Als neues Mitglied des idw stellt sich das gemeinnützige Internationale Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik (IBFI), Schloss Dagstuhl gem. GmbH vor. Vom IBFI werden Informatik-Forschungsseminare organisiert und im Konferenzzentrum Schloss Dagstuhl durchgeführt. Teilnehmer sind internationale Spitzenforscher, die hier über ihre aktuellste Forschung diskutieren und neue Ideen entwickeln.

 

Das Internationale Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik (IBFI), Schloss Dagstuhl gem. GmbH ist eine gemeinnützige Einrichtung, die weltweit einmalig ist. Die Aufgaben des im Oktober 1990 gegründeten Informatikzentrums bestehen in der Förderung einer Informatikforschung von internationalem Rang, der Durchführung von Weiterbildungsmaßnahmen auf hohem fachlichem Niveau, der Förderung von Nachwuchswissenschaftlern und der Anregung des Wissensaustausches zwischen Forschung und Praxis.

 

Um diese Aufgaben zu erfüllen, bietet das IBFI verschiedene Veranstaltungen an, von denen die sog. Dagstuhl-Seminare im Vordergrund stehen. Jährlich werden ca. 35-40 solcher Dagstuhl-Seminare durchgeführt. Bei diesen einwöchigen Forschungsseminaren kommen zu einer speziellen, aktuellen Thematik etwa 35-45 internationale Spitzenforscher und vielversprechender Nachwuchs aus der Informatik zusammen, um ihre neueste Forschung vorzustellen, zu diskutieren, im gegenseitigen Austausch neue Ideen zu entwickeln und Weichen für neue Entwicklungen zu stellen. Ein fester Rahmen ist dabei nicht vorgegeben. Häufig finden Vorträge mit Fachdiskussionen und Kleingruppenarbeiten im dynamischen Wechsel statt.

 

Unterstützt wird das kommunikative Klima durch das Ambiente von Schloss Dagstuhl (Wadern, Saarland), in dem das Konferenzzentrum eingerichtet wurde. Das im Naturpark Saar-Hunsrück gelegene Barock-Schloss bietet durch seine ruhige Lage eine fast "klösterliche" Atmosphäre, die Raum lässt, vom Alltagsgeschäft abzuschalten und sich auf das Seminar zu konzentrieren. Hier erwartet die Forscher eine optimale Arbeits- und Wohnumgebung: Neben technisch gut ausgestatteten Hörsälen und Besprechungsräumen, Rechnerräumen und Internetanschluss, steht eine umfangreiche Informatikfachbibliothek zur Verfügung. Gespräche und Diskussionen kommen nicht nur während der Seminarvorträge auf, sondern werden auch durch die gemeinsamen Mahlzeiten im Speisesaal und die Pausen in den Cafeterien gefördert und nicht selten in kleiner Runde in einer gemütlichen, ungestörten Sitzecke oder beim geselligen Abend im Weinkeller fortgeführt.

 

Die Auswahl der Seminarthemen erfolgt im Antragsverfahren, wobei ein zurzeit neunköpfiges Gremium (das wissenschaftliche Direktorium) über die Anträge entscheidet und ggf. Verbesserungsvorschläge unterbreitet, um das hohe Niveau der Seminare zu gewährleisten. Dieses Gremium setzt sich aus Informatik-Wissenschaftlern zusammen, die die Gesellschafter-Institutionen vertreten: ProfessorInnen der Universitäten Kaiserslautern, Karlsruhe, des Saarlandes, Frankfurt, Darmstadt, Stuttgart, Trier, sowie Vertreter der Gesellschaft für Informatik. Demnächst treten außerdem die Max-Planck-Gesellschaft (vertreten durch das MPI für Informatik, Saarbrücken) sowie die Forschungsinstitutionen INRIA (Institut National de Recherche en Informatique et en Automatique, Rocquencourt, Frankreich), CWI (Centrum voor Wiskunde en Informatica, Amsterdam, Niederlande) der gemeinnützigen GmbH bei und entsenden Direktoriumsmitglieder.

 

Nicht nur die Aktualität und Wichtigkeit des Seminarthemas werden im Antragsverfahren beurteilt, sondern es wird auch auf eine Ausgewogenheit der Teilnehmer geachtet, die nur auf persönliche Einladung an dem Seminar teilnehmen dürfen. Neben den Koryphäen sollen etwa 25% der Eingeladenen vielversprechende Nachwuchswissenschaftler sein. Außerdem sollten Vertreter aller wichtigen Forschergruppen des jeweiligen Themas auf der Einladungsliste stehen. Die Herkunftsländer der jährlich über 1300 Seminarteilnehmer sind über die ganze Welt verteilt. Im Jahr 2002 kamen 31% aus Deutschland, 31% aus dem restlichen westlichen Europa, 25% aus Nordamerika, Osteuropäer und Asiaten waren zu je 4% vertreten, die restlichen Regionen waren zu 5% vertreten.

 

Neben den Dagstuhl-Seminaren werden auch einige wenige sog. Perspektiven-Seminare organisiert. Hier trifft sich eine kleinere Gruppe von ca. 15 Forschern, um über zukünftige Forschungsrichtungen in ausgewählten Bereichen der Informatik zu diskutieren und Richtungen für Forschungsförderung vorzuschlagen.

 

Andere Informatik-bezogene Veranstaltungen, die in Dagstuhl durchgeführt werden, unterliegen nicht der strengen Qualitätskontrolle des wissenschaftlichen Direktoriums, sondern können - je nach Auslastung des Konferenzzentrums - auf Anfrage durchgeführt werden. Dazu gehören Weiterbildungsveranstaltungen (z. B. von der Deutschen Informatik-Akademie, DIA, durchgeführt), Kolloquien oder Arbeitstreffen und auch Forschungsaufenthalte für Gastwissenschaftler.

 

Die internationale Anerkennung des Informatikzentrums lässt sich nicht nur am hohen, internationalen Anteil der Seminarteilnehmer erkennen, sondern auch an der durch die EU-Kommission bestätigten Förderwürdigkeit des Zentrums (High Level Scientific Conference, HLSC, bzw. Marie-Curie-Programm) und an der Vielzahl positiver Resonanzen, die das Zentrum von seinen Gästen erhält. Im letzten Jahr wurde das IBFI vom Wissenschaftsrat evaluiert und mit höchstem Lob bedacht.

 

Details über die Struktur und Aktivitäten des IBFI, Schloss Dagstuhl, können Sie unseren Internet-Seiten (s. u.) oder unserem Tätigkeitsbericht entnehmen (auf Anfrage).

 

Weitere Informationen finden Sie im WWW: http://www.dagstuhl.de