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Tuesday, 5. August 2003

Informatik-Zentrum auf Schloss Dagstuhl schafft drei zusätzliche Ausbildungsplätze

Hobby wird Beruf: Sascha Daeges setzt sich gegen 44 Bewerber durch

 

Initiative von IHK und "SZ": Informatik-Zentrum auf Schloss Dagstuhl schafft drei zusätzliche Ausbildungsplätze

Dagstuhl (fs). Die Lehrstellen-Akquisiteure der IHK wurden auf Schloss Dagstuhl gleich drei Mal fündig. Das Informatik-Zentrum (IBFI) erklärte sich bereit, drei zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen: Je einen Ausbildungsplatz in der Hauswirtschaft, in der Fachinformatik und als Bürokauffrau.

"Wenn man die Möglichkeiten hat, so auszubilden wie wir, sollte man auch zum Vorreiter werden", sagt Thomas Schillo, Leiter der Informations-Technik (IT) auf Schloss Dagstuhl. Am 1. August haben drei junge Azubis hier begonnen. Bürokauffrau werden will Jutka Gasiorowski aus Baldringen (Rheinland-Pfalz). Gutes Englisch ist hier Pflicht. Die Lehrstelle in der Hauswirtschaft, der Hotellerie vergleichbar, ist besetzt von Daniela Zwetsch aus Neunkirchen/Nahe. Sascha Daeges aus Rappweiler aber ist der erste Auszubildende überhaupt in der IT-Abteilung des IBFI. Nach dem Abitur am Waderner Hochwaldgymnasium hat er zuerst seinen Zivildienst geleistet.

"Wir haben uns zusammen mit der IHK überlegt, zum ersten Mal in der Region in diesem modernen Beruf auszubilden", sagt Ausbildungsleiter Schillo. Auf die IHK-Ausschreibung im Internet kamen 45 Bewerbungen. "Beweis dafür, dass die Region nicht gerade mit Lehrstellen dieser Art gesegnet ist", meint Schillo. Azubi Daeges findet hier eine IT- und Server-Landschaft vor, die ihresgleichen sucht, mit dem ganzen Gebiet der Fachinformatik. Die Ausbildungsrichtung heißt System-Integration, der Schwerpunkt liegt auf der Netzwerk-Betreuung. "Das Hobby zum Beruf gemacht", kommentiert Sascha Daeges seinen ersten Tag in Dagstuhl. Drei Jahre dauert seine Lehrzeit.

Die Gründung des IBFI beruht auf einer Empfehlung des Wissenschaftsrates der Hochschulen. Zielsetzung war ein Forschungszentrum mit streng internationaler Ausrichtung und interdisziplinärer Offenheit in einem attraktiven Arbeitsumfeld. Zurzeit wird das Zentrum von Delegierten der Gesellschafter, den Universitäten in Saarbrücken, Darmstadt, Frankfurt, Kaiserslautern, Karlsruhe, Stuttgart und Trier sowie der Gesellschaft für Informatik inhaltlich getragen. Neben der Max-Planck-Gesellschaft sollen weitere Gesellschafter aus Frankreich und den Niederlanden hinzu kommen, berichtet Schillo.

Ein wissenschaftliches Direktorium bestimmt die Seminar-Themen und die Teilnehmer, die eingeladen werden. Die Organisation liegt in den Händen eines wissenschaftlichen Direktors und eines technischen Geschäftsführers. Das IBFI ist eine gemeinnützige Gesellschaft und arbeitet wirtschaftlich autark. Die anfallenden Kosten werden zu zwei Dritteln vom Saarland und zu einem Drittel von Rheinland-Pfalz übernommen.

Hinzu kommen Übernachtungsgebühren und Spenden von Unternehmen. Aktuell steht das IBFI in der Warteschlange der 80 Blaue-Liste-Institute, die für die Bundesrepublik von internationaler Bedeutung sind, sagt Thomas Schillo. "Nach der Aufnahme in diese Liste wird das IBFI vom Bund finanziert."

Dreißig Mitarbeiter betreuen die mehr als 2000 Wissenschaftler, die jährlich nach Dagstuhl kommen. 28 Prozent kommen aus Deutschland, 35 Prozent aus anderen europäischen Ländern. 37 Prozent verteilen sich auf Nordamerika und Fernost. In den 63 Zimmern wohnen regelmäßig 80 Gäste in Vollpension. "Viele arbeiten hier an ihrer Doktorarbeit", erzählt Schillo. "Es gibt auch zahlreiche Lehrstuhl-Treffen, bei denen der Professor mit allen seinen Studenten nach Dagstuhl kommt." Bis weit ins Jahr 2004 ist das IBFI schon jetzt ausgebucht.

Während der elitär besetzten Seminare findet ein reger Austausch aktueller Forschungsergebnisse statt, aber auch die Erschließung neuer Forschungs- und Anwendungsfelder in der Informatik. Vieles, das heute aus der Informatik-Landschaft nicht mehr wegzudenken ist, fand seine erste intensive und fachliche Erörterung auf Schloss Dagstuhl. Der Stolz der IBFI-Mitarbeiter ist die supermoderne Fachbibliothek, eine der größten der Welt. Neben 20000 Fachbüchern und über 40000 Einzelarbeiten stehen den Dagstuhl-Gästen über 400 internationale und aktuelle Fachzeitschriften zur Verfügung. Daneben sind alle Rechner 24 Stunden am Tag online.